Sehr geehrte Frau Präsidentin Meier-Schatz
Ich schreibe Ihnen diese Mail als Präsident der Swiss Vape Trade Association (www.svta.ch)

In den folgenden Passagen nehme ich Stellung zu Ihrem aktualisierten EKTP- Bericht „Elektronische Zigaretten (E-Zigaretten) – Position der Eidgenössischen Kommission für Tabakprävention (Aktualisierung vom September 2016)“.

Passivkonsum – Einleitung[S1]:

Das Prinzip der Vorsicht, das bedeutet, dass Nichtrauchende geschützt werden müssen (Passivkonsum), da die Langzeitwirkungen auf die Gesundheit nicht bekannt sind.

Sie gehen offenbar davon aus, dass Nikotin aus dem Dampf von E-Dampfgeräten in die Luft ausgestossen und von Nichtkonsumierenden eingeatmet würde. Diese Aussage widerspricht den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Resorption von inhaliertem Nikotin. In der Fachliteratur findet man mehrere Arbeiten, in denen der Nikotingehalt von Tabakrauch bzw. E-Dampfgeräte- Dampf mit dem Nikotingehalt der Ausatemluft von Verbrauchern gemessen wurde. Die Ergebnisse sind eindeutig. Sowohl beim Rauchen als auch beim Dampfen werden ≥94 % des inhalierten Nikotins aufgenommen [2,3,4], sodass in der Ausatemluft nur Spuren von Nikotin nachweisbar sind [1, 5]. Messungen der Raumluft zeigen, dass die Nikotinkonzentration beim Dampfen aufgrund des Wegfalls von Nebenstromrauch 10-fach niedriger ist als beim Rauchen und weit unter behördlich anerkannten Grenzwerten liegt [6, 7]. Die von Ihnen verwendete Bezeichnung „Passivrauchschutz“ ist unangemessen, da bei der Verdampfung von Liquids kein Rauch entsteht. Aufgrund der publizierten Emissionsmessungen ist Gesundheitsschädigung der Konsumenten oder anwesender Dritter bei Benutzung von Ezigaretten auszuschliessen.

f. Nikotin-Intoxikation – Stand der Forschung[S2]:

Technische Mängel können zum Austritt und Aufnahme von nikotinhaltigen Lösungen via Haut oder Schleimhaut führen oder auch eine Überhitzung mit Explosion bewirken mit entsprechenden Verletzungen.

Nikotinhaltige Liquids gehören nicht in die Hände von Kleinkindern. Selbiges gilt auch für Messer oder chemische Reiniger. Fast alle handelsüblichen Liquids verfügen über einen kindersicheren Verschlussmechanismus. Sie behaupten, der unsachgemässe Gebrauch von Liquids könne beim Nachfüllen die Gesundheit gefährden, da Nikotin auf Haut oder Schleimhaut gelangen könne. Anhand der Fachliteratur ist belegt, dass Nikotin über die Haut nur sehr langsam aufgenommen werden kann. [8, 9]. An einem Modell mit menschlicher Haut wurde mit 20 %-iger (!) Nikotinlösung (200 mg/ml, d.h. 10-fach konzentrierter als laut EU-Richtlinie maximal zulässig) eine Resorptionsgeschwindigkeit von 0.082 mg Nikotin pro cm2 und Stunde gemessen [9]. Ähnliche Ergebnisse wurden kürzlich unter Verwendung von Franz- Diffusionszellen mit Nachfüllflüssigkeiten von E-Dampfgeräten erhalten. Basierend auf den Messwerten errechneten die Autoren, dass Exposition von 100 cm2 Haut zur Aufnahme von 3,04 mg Nikotin innerhalb von 24 Stunden führt [10]. Das entspricht in etwa der Nikotinmenge im Rauch von 2-3 Tabakzigaretten und ist vernachlässigbar. Ausserdem ist davon auszugehen, dass Verbraucher bei versehentlicher Kontamination die Flüssigkeit zeitnah abwischen oder abwaschen und nicht mehrere Stunden lang die Nikotinresorption abwarten werden. Die in der Fachliteratur verfügbaren Daten sind ausreichend, um Gesundheitsgefährdung durch Nikotinaufnahme über die Haut mit Sicherheit ausschliessen zu können.

g. Süssliche Aromen für Kinder – Stand der Forschung[S2]:

Design und Farbwahl vieler E-Zigarettenmodelle und die zahlreichen süsslichen Aromen der Liquide sind vorwiegend für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ansprechend.

Es ist ein breiter Irrglaube, dass süssliche Aromen für Jugentliche oder gar Kinder konzipiert werden. Als Händlervereinigung für E-Dampfgeräte wissen wir genau, wie die Konsumenten sich bei der Liquidwahl verhalten. Zu Beginn wird meist ein Tabakliquid nachgefragt, welches der Zigarette ähnelt. Doch schon sehr bald merken die Konsumenten, dass man beim Aroma nicht gleich wie bei der Zigarette eingeschränkt ist und probieren andere Flavours aus. [11]

h. Diacyl, Formaldehyd – Stand der Forschung[S2]:

Weitere kurzfristige gesundheitliche Auswirkungen sind möglich, wie z.B. Erhöhung des
Blutdrucks, Lungen- und/ oder Krebserkrankungen durch Aromen und andere chemische
Verbindungen, wie z.B. Diacyl, Formaldehyd und andere krebserregende Substanzen.

Carbonylverbindugen, v.a. Formaldehyd, sind reaktive Verbindungen mit möglicherweise krebserregender Wirkung. Nahezu alle Messungen von Carbonylverbindungen zeigten, dass deren Konzentrationen im Aerosol beim bestimmungsgemässen Gebrauch von E-Dampfgeräten weit unter den anerkannten Grenzwerten, zumeist im Bereich unbelasteter Raumluft oder unter dem Detektionslimit sind [12-17]. Allerdings wurde eine Zunahme der Bildung von Aldehyden bzw. Aldehyd-ähnlichen Verbindungen bei erhöhter Leistung der Geräte beobachtet [18-20]. Vor allem die Arbeit von Jensen et al. (2015) [19] hat öffentliches Interesse hervorgerufen, da die Konzentration von (möglicherweise) Formaldehyd-freisetzenden Verbindungen ähnlich hoch wie in Tabakrauch war. Dazu wurden mehrere kritische Leserbriefe von Wissenschaftlern veröffentlicht [21-23], denen die Autoren wenig entgegen zu setzen hatten [24]. In der Zwischenzeit wurde gezeigt, dass signifikante Mengen an Formaldehyd nur bei Trockenlaufen der Heizwendel entstehen, wobei das Liquid nicht verdampft sondern verbrannt wird [25]. Dieses sogenannte „Kokeln“ der Verdampfer ist sehr unangenehm und wird von Konsumenten umgehend durch Verminderung der Leistung oder Nachfüllen von Liquid abgestellt. Verbranntes Liquid inhaliert man ebenso wenig freiwillig wie man verkohltes Toastbrot verzehrt. Auf der Jahrestagung der Society for Research on Nicotine and Tobacco wurde eine Arbeit vorgestellt, in der die Formaldehyd-Emissionen verschiedener Typen von Ezigaretten mit diversen Grenzwerten aus USA und Europa verglichen wurden [26]. Die Ergebnisse bestätigen wiederum, dass die Formaldehyd-Emission aus E-Dampfgeräten vernachlässigbar ist:

formaldehyd

http://www.eurekalert.org/multimedia/pub/110079.php
Häufig wird angeführt, dass es keine Untergrenze für die schädliche Wirkung von krebserregenden oder anderweitig toxischen Stoffen gäbe. Diese Behauptung widerspricht dem Massenwirkungsgesetz und dem Grundgesetz der Pharmakologie, wonach die Wirkungen von Stoffen dosisabhängig sind. Ausserdem müsste man dann auch das Ausatmen verbieten, da geringe Mengen an Formaldehyd und zahlreichen anderen potentiell toxischen Stoffwechselprodukten in der Ausatemluft von Menschen nachweisbar sind [27].

1) spezifische Regulierung – Empfehlungen[S3]:

E-Zigaretten müssen einer spezifischen Regulierung unterworfen werden. Dazu gehören
Qualitätsnormen für die Spezifikationen der E-Zigarettengeräte, die Inhalte der Kartuschen (Liquid), eine restriktive Liste der erlaubten Komponenten dieser Flüssigkeiten sowie eine Höchstgrenze für den Nikotingehalt. Alle Inhaltsstoffe müssen auf den Packungen aufgeführt werden, wo ebenfalls Warnhinweise zu den Risiken beim Gebrauch anzubringen sind.

Es wird Ihnen bewusst sein, dass das TabPG aufgrund der Tabakindustrie und deren Lobyying auch im Nationalrat keine Chance haben wird. Ihre Empfehlung müsste sein, dass schnellsmöglichst eine Liberalisierung nikotinhaltiger Liquids stattfinden soll. Herr Dr. Mayer hat für uns die Konsequenzen einer Liberalisierung aufgezeigt [29].

3) Werbung – Empfehlungen[S3]:

Jede Form von Werbung und Promotion für E-Zigaretten ist verboten.

Für uns ist es nicht nachvollziehbar, weshalb die nachweislich weniger schädliche Alternative mit ihrem Vorteil und dem daraus resultierenden gesellschaftlichen Gesundheitsgewinn nicht mehr beworben werden dürfte.

6) Steuern – Empfehlungen[S3]:

E-Zigaretten müssen gleich wie Zigaretten besteuert werden.

Die Empfehlung, dass E-Dampfgeräte und Liquids gleich wie Pyro- Zigaretten besteuert werden sollen, entspricht exakt den Empfehlungen der Tabakindustrie [28]. Ein Produkt, welches mindestens 95% (eher 99±1 %) weniger schädlich ist, soll also gleich wie die Pyro- Zigarette besteuert werden? Eine Steuer reduziert den Anreiz für Raucher, auf die E-Dampfgeräte umzusteigen.

Vielleicht wollen Sie mich mal in Aadorf, TG besuchen, dann kann ich Ihnen den Markt etwas besser aufzeigen.

Mit freundlichen Grüssen

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Swiss Vape Trade Association
Wittenwilerstr. 31
8355 Aadorf

Stefan Meile
Präsident

www.svta.ch

 

Quellen:

1. Tayyarah, R. and Long, G.A. (2014) Comparison of select analytes in aerosol from e-cigarettes with smoke from conventional cigarettes and with ambient air. Reg. Toxicol. Pharmacol. 70, 704-710.
2. Baker, R.R. and Dixon, M. (2006) The retention of tobacco smoke constituents in the human respiratory tract. Inhal. Toxicol. 18, 255-294.
3. Feng, S., Plunkett, S.E., Lam, K., Kapur, S., Muhammad, R., Jin, Y., Zimmermann, M., Mendes, P., Kinser, R., and Roethig, H.J. (2007) A new method for estimating the retention of selected smoke constituents in the respiratory tract of smokers during cigarette smoking. Inhal. Toxicol. 19, 169-179.
4. St.Helen, G., Havel, C., Dempsey, D.A., Jacob, P., III, and Benowitz, N.L. (2016) Nicotine delivery, retention and pharmacokinetics from various electronic cigarettes. Addiction 111, 535-544.
5. Long, G.A. (2014) Comparison of select analytes in exhaled aerosol from e-cigarettes with exhaled smoke from a conventional cigarette and exhaled breaths. Int. J. Environ. Res. Public Health 11, 11177-11191.
6. Czogala, J., Goniewicz, M.L., Fidelus, B., Zielinska-Danch, W., Travers, M.J., and Sobczak, A. (2014) Secondhand exposure to vapors from electronic cigarettes. Nicotine Tob. Res. 16, 655-662.
7. Ballbè, M., Martínez-Sánchez, J.M., Sureda, X., Fu, M., Pérez-Ortuno, R., Pascual, J.A., Saltó, E., and Fernández, E. (2014) Cigarettes vs. e-cigarettes: Passive exposure at home measured by means of airborne marker and biomarkers. Environ. Res. 135, 76-80.
8. Benowitz, N.L., Lake, T., Keller, K.H., and Lee, B.L. (1987) Prolonged absorption with development of tolerance to toxic effects after cutaneous exposure to nicotine. Clin. Pharmacol. Ther. 42, 119-120.
9. Zorin, S., Kuylenstierna, F., and Thulin, H. (1999) In vitro test of nicotine’s permeability through human skin. Risk evaluation and safety aspects. Ann. Occup. Hyg. 43, 405-413.
10. Maina, G., Castagnoli, C., Passini, V., Crosera, M., Adami, G., Mauro, M., and Filon, F.L. (2016) Transdermal nicotine absorption handling e-cigarette refill liquids. Reg. Toxicol. Pharmacol. 74, 31-33.
11. Impact of Flavour Variability on Electronic Cigarette Use Experience: An Internet Survey https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3881166/
12. McAuley, T.R., Hopke, P.K., Zhao, J., and Babaian, S. (2012) Comparison of the effects of e-cigarette vapor and cigarette smoke on indoor air quality. Inhal. Toxicol. 24, 850-857.
13. Schripp, T., Markewitz, D., Uhde, E., and Salthammer, T. (2013) Does e-cigarette consumption cause passive vaping? Indoor Air 23, 25-31.
14. Goniewicz, M.L., Knysak, J., Gawron, M., Kosmider, L., Sobczak, A., Kurek, J., Prokopowicz, A., Jablonska-Czapla, M., Rosik-Dulewska, C., Havel, C., Jacob Iii, P., and Benowitz, N. (2014) Levels of selected carcinogens and toxicants in vapour from electronic cigarettes. Tob. Control 23, 133-139.
15 . Schober, W., Szendrei, K., Matzen, W., Osiander-Fuchs, H., Heitmann, D., Schettgen, T., Jörres, R.A., and Fromme, H. (2014) Use of electronic cigarettes (e-cigarettes) impairs indoor air quality and increases FeNO levels of e-cigarette consumers. Int. J. Hyg. Environ. Health 217, 628-637.
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18. Kosmider, L., Sobczak, A., Fik, M., Knysak, J., Zaciera, M., Kurek, J., and Goniewicz, M.L. (2014) Carbonyl compounds in electronic cigarette vapors: Effects of nicotine solvent and battery output voltage. Nicotine Tob. Res. 16, 1319-1326.
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20. Talih, S., Balhas, Z., Salman, R., Karaoghlanian, N., and Shihadeh, A. (2015) Direct Dripping“: A High-temperature, high-formaldehyde emission electronic cigarette use method. Nicotine Tob. Res. 2015 Apr 11. pii: ntv080. [Epub ahead of print].
21. Nitzkin, J.L., Farsalinos, K., and Siegel, M. (2015) More on hidden formaldehyde in e-cigarette aerosols. New Engl. J. Med. 372, 1575.
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25. Farsalinos, K.E., Voudris, V., and Poulas, K. (2015) E-cigarettes generate high levels of aldehydes only in ‚dry puff‘ conditions. Addiction 110, 1352-1356.
26. Costigan, S. and Sommarstrom, J., (2016) Formaldehyde from different format electronic cigarettes compared to the WHO air guideline. POS2-106, Annual Meeting – Society for Research on Nicotine and Tobacco (Chicago, IL, USA).
27. Bos, L.D.J., Sterk, P.J., and Schultz, M.J. (2013) Volatile metabolites of pathogens: A systematic review. PLoS Pathogens 9, e1003311.
28. Marlboro-Manager fordert Steuer für E-Zigarette
https://www.welt.de/wirtschaft/article134683912/Marlboro-Manager-fordert-Steuer-fuer-E-Zigarette.html
29. Verkauf nikotinhaltiger Liquids: Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit http://www.insmoke.ch/Downloads/Stellungnahme_final.pdf